31.Warum ist der Murtensee heute so belastet? Wie macht sich das bemerkbar? Welche Substanzen sind im Murtensee nachweisbar und problematisch? Stammen diese von der ARA?



Die Wasserqualität des Murtensees wird massgeblich durch sein grosses Einzugsgebiet (690 km2) beeinflusst. Landwirtschaft sowie Siedlungen, Industrie, Gewerbe und Verkehr führen zu einer starken anthropogenen Belastung des Sees.  

Insbesondere hat der See eine grosse Nährstoffzufuhr. Die Nährstoffe (Phosphor und Stickstoff), die aus verschiedenen Quellen in den See gelangen, fördern das Pflanzenwachstum. Die Zersetzung der Pflanzen auf dem Seegrund verbraucht Sauerstoff. Dieser Abbauprozess ist einer der Hauptgründe des Sauerstoffmangels, der im Sommer ab ca. 10 m Tiefe festgestellt wird.  

Abbildung 4 zeigt die Sauerstoffverhältnisse im Murtensee zwischen 2007 und 2016. Gemessen wurde allmonatlich mit einer Sonde für jeden Meter. Auf der X-Achse ist die Seetiefe abgebildet und auf der Y-Achse der zeitliche Verlauf. Anfang Jahr hat der See in allen Tiefen dieselbe relativ hohe Sauerstoffkonzentration. Daraus kann man schliessen, dass der See vollständig durchmischt wird und auch die Tiefen mit viel Sauerstoff versorgt werden. Mit der Schichtung des Sees, was meist im April/Mai beginnt, beginnt auch die Sauerstoffzehrung im Hypolimnion (untere Wasserschicht). Die hellen Zonen auf der Grafik zeigen die sauerstoffarmen Zonen des Wassers. Über mehrere Monate ist das Wasser ab einer Tiefe von 10-15 m mit Sauerstoff unterversorgt. Der Sauerstoffmangel wiederum wirkt sich negativ auf die Wasserlebewesen aus. So wird zum Beispiel die Fortpflanzung der Fische gestört.





                          Abbildung 4: Sauerstoffverhältnisse im Murtensee während der Jahre 2007 - 2016

                           (Quelle: https://www.fr.ch/sen/files/pdf86/etat_environnement_2016_de1.pdf)

Rund 2/3 der Fläche des Einzugsgebiets des Murtensees werden landwirtschaftlich genutzt, davon zum grössten Teil (42%) intensiv. Während der Anteil an Landwirtschaftsflächen in etwa demjenigen des gesamten Kantons entspricht, ist der Anteil an Ackerflächen im Einzugsgebiet deutlich höher (siehe Abbildung 5).

                 

             Abbildung 5: Flächenanteile pro Nutzung im Kanton FR. sowie im Einzugsgebiet des Murtensees


Der grösste Teil der Nährstoffe gelangt von diesen Flächen durch Bodenerosion und Auswaschung von Feldern direkt oder via Zuflüsse in den Murtensee. Auch Pflanzenschutzmittel können von diesen Flächen ausgewaschen werden.  

Weitere Nährstoffquellen sind Hochwasserentlastungen aus Mischwasserkanalisationen. Zudem wird das gereinigte Abwasser von 36 ARA (rund 168‘000 Einwohnern) direkt oder indirekt in den Murtensee geleitet. Jährlich wird durchschnittlich rund 64 t Phosphor durch die Zuflüsse in den See geleitet.  

Der Anteil aus den Abflüssen der ARA an der Zufuhr an Gesamtphosphor ist mit 7.8 % eher gering(siehe Tabelle 1).   

Mikroverunreinigungen stammen ebenfalls aus Landwirtschafts- und Siedlungsgebieten. Zurzeit werden Mikroverunreinigungen auf der ARA nicht zurückgehalten.



   Tabelle 1: Gemittelter Eintrag an Phosphor in den Murtensee. Berechnungen wurden durch die AGRIDEA                 ( Grassmann & Julien, 2012) durchgeführt.